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Leseprobe - Irrflug (2004)

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Leseprobe - Irrflug (2004)
Seite 2
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„Delta-Mike-Mike“, meldete sich der Phantom-Pilot erneut, „ich wiederhole: Landen Sie in Erbach und bestätigen Sie!“
In diesem Augenblick zog der Jet auf gleicher Höhe und mit Minimal-Abstand an der Cessna vorbei. Die Frau auf dem Co-Pilotensitz konnte den Bundeswehr-Piloten in seinem teilweise verglasten Cockpit sogar sehen. Augenblicke später wurde die Cessna von den Luftwirbeln des Jets gepackt und wie von einer unsichtbaren Kraft hin- und hergerissen. Der Pilot nahm das Gas zurück und hielt den Steuerknüppel fester. Seine Begleiterin stieß einen Schrei aus. Unterdessen konnten sie an der rechts vorbeiführenden Abgasspur den Kurs der Phantom verfolgen. Sie begann, sich schon wieder in eine Rechtskurve zu legen. 
Der Cessna-Pilot reduzierte die Geschwindigkeit, setzte die Landeklappen auf zehn Grad und ging in den Sinkflug, während er die Maschine in eine scharfe Rechtskurve legte. Es schien so, als würde er auf die Spitze des Ulmer Münsters zuhalten. 

„Der Kerl muss verrückt geworden sein“, brüllte ein Streifenpolizist in sein Mikrofon. Der Beamte war zusammen mit einem Kollegen zur Wilhelmsburg beordert worden, um den Luftraum zu beobachten. Im Lehrsaal der Ulmer Polizeidirektion, wo die Führungskräfte auf das Eintreffen von Häberle warteten, ließ dieser Funkspruch aufhorchen. Die Gespräche verstummten. „Der Kerl“, schrie die Stimme aus dem Lautsprecher, „der Kerl fliegt auf den Münsterturm zu.“ Sofort ließ wieder ein raumfüllendes Dröhnen die Luft erzittern.