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Leseprobe - Schusslinie (2006)

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Leseprobe - Schusslinie (2006)
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Auch die Terrasse der Sportclub-Gaststätte wirkte einsam
und trist. Auf regennassen Tischen und Stühlen spiegelte
sich der graue Himmel. Während es im beheizten
Innern des Lokals kaum noch einen freien Platz gab, hatten
sich drei Männer in den dunklen Vereinsraum zurückgezogen,
der sich im angrenzenden Tribünen-Komplex
befand. Der Gastgeber war voraus durchs dunkle Treppenhaus
geeilt und ein bisschen außer Atem geraten. Auf
seinem nahezu kahlen Kopf hatten sich trotz der Kühle
Schweißperlen gebildet. Nachdem er den Besuchern Plätze
angeboten hatte, öffnete er ein Fenster, um die vor Tagen
angestaute warme Luft aus dem holzgetäfelten Raum entweichen
zu lassen. Die Wände waren ringsum mit Regalen
versehen, auf denen sich silbern glitzernde Pokale jeder
Größe stolz präsentierten.
»Etwas zu trinken?«, fragte der Gastgeber, der sich als
ehemaliger Vereinsfunktionär in den Räumlichkeiten auskannte.
Er holte das gewünschte Mineralwasser aus einem
Kühlschrank und schenkte ein. »Nun, dann also nochmal
herzlich willkommen im Eybacher Tal«, kam er schließlich
zur Sache und lächelte den Besucher an. »Wir – ich meine,
unser Vorstandsmitglied Dieter Funke und ich, wir freuen
uns immer, wenn sich erfolgreiche Männer wieder an den
Ort ihrer Anfänge besinnen. Mein Gott, was waren das für
Zeiten!« Er blickte zu den Pokalen hinauf. »Noch heute
redet eine ganze Generation vom HSV-Spiel. Das Eybacher
Tal hat gebebt. Tausende waren da – sogar auf den Felsen da
oben sind sie gestanden.«
Der Besucher lächelte und nickte. »Danke für die herzliche
Begrüßung, Heini.«
Dieter Funke, wesentlich jünger und damals noch im frühesten
Jugendalter, erinnerte sich ebenfalls an dieses legendäre
Spiel gegen den Hamburger Sportverein. »Das wird
noch in hundert Jahren in der Vereinschronik nachzulesen
sein«, meinte er. Von draußen drang ein kühler Luftzug herein.
Es hatte zu dämmern begonnen und Funke knipste das
Licht an.